Die Vielfalt der Kartoffeln in Peru
Weltweit gibt es etwa 4.000 bis 5.000 Kartoffelsorten. Die meisten davon stammen aus den südamerikanischen Anden. Darunter sind sowohl zahlreiche Wildarten als auch Kulturkartoffeln.
Stef de Haan berichtet in seiner Doktorarbeit, für die er über mehrere Jahre hinweg einige Dörfer in den peruanischen Anden begleitete, von Feldern, die bis zu 100 verschiedene Kartoffelsorten aufwiesen. Und mindestens ebenso erstaunlich: als er ein paar Bauern bat, alle Kartoffelnamen aufzuzählen, die sie kennen, kamen über 800 Namen zusammen (nachzulesen bei Miedaner 2014: Kulturpflanzen).
Diese große biologische Vielfalt ist für die Kartoffel ein Schutzmechanismus vor Krankheitserregern. Und sie hat ebenso dazu geführt, dass Kartoffeln in den unterschiedlichsten Gebieten angebaut werden können: in Flusstälern, Wäldern und Gebirgszügen. Tatsächlich werden in den Anden Kartoffeln bis zu einer Höhe von 4.500 Meter angebaut. Dabei handelt es sich um eine spezielle Kartoffelsorte, die sich selbst gegen Forst schützen kann.
José und Nene, zwei Bauern aus der Umgebung Celendíns, bauen hingegen „nur“ drei Sorten an: Die lokale Sorte „Conda Huagalina“ ist mehlig kochend und platzt bereits nach 5-10 Minuten Kochzeit auf. „Sapa Común“ ist sehr beliebt und weit verbreitet. Ihre Knollen werden sehr groß. Als dritte Sorte wurde „Marilí“ ausgewählt, die ebenfalls nur lokal angebaut wird. Jedes Jahr wird ein Teil der Kartoffelpflanzen weniger gedüngt als die anderen. Die daraus entstehenden kleineren Kartoffeln werden als Pflanzkartoffeln für das kommende Jahr verwendet. Häufig werden die Pflanzkartoffeln im Freundes- und Bekanntenkreis getauscht.
Auf dem Markt in Celendín werden heutzutage zwischen 10 bis 20 Kartoffelsorten angeboten. „Früher waren es definitiv mehr!“ erinnern sich die beiden Bauern.
Übrigens hat sich bei den Fotos noch ein anderes Gemüse fast unmerklich eingeschlichen: Camote, auch batata, ist die südamerikanische Bezeichnung für Süßkartoffel. Obwohl die Süßkartoffel in Form, Konsistenz und auch der Zubereitung der Kartoffel ähnelt, ist sie nicht mit ihr verwandt. Da die ersten Europäer, die mit den Knollen in Berührung kamen, dies nicht wussten und die Süßkartoffel mit der Kartoffel verwechselten, heißt das spanische Wort für Kartoffel bis heute patata. In den Anden hingegen wird die Kartoffel als papa (aus der Quechua-Sprache), oder liebevoll als papita bezeichnet.



